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Blick in die Geschichte

Es lohnt sich, einen Blick in die reiche jüdische Geschichte, vor allem auf die Synagoge, ihre Entstehung von 1815 bis heute, zu werfen. Der frühere Chronist des Flosser Amtes, Oberlehrer Leonhard Bär, schrieb in seiner Abhandlung über die Synagoge im Jahre 1926 unter anderem: "Bei dem großen Brande im Jahre 1813 wurde die alte Synagoge (es war ein Holzgebäude) in Asche gelegt. Mit einem Kostenaufwand von 12 000 Gulden wurde 1815 bis 1817 weiter oben auf dem freien Platze die jetzige Synagoge, ein stattliches Gebäude, errichtet."
 
Politisch autonome Gemeinde
 
Schon 1672 versuchten die aus Wien vertriebenen Juden, wie in so vielen anderen Gegenden, sich in Floß niederzulassen. Aber dies misslang. Erst 1684 konnten sich einige Juden in Floß ansiedeln. Der Berg, auf dem sie sich niederließen, der so genannte Harresche Acker, gehörte dem Kloster Waldsassen. Daher hatten die Juden noch lange jährliche Abgaben zu entrichten. Als die bayerische Regierung zufällig von dieser autonomen Gemeinde hörte, verfügte sie 1819 ihre Auflösung und Eingemeindung in den Marktflecken Floß. Die jüdische Gemeinde auf dem "Judenberg" war räumlich von der politischen Gemeinde getrennt. Es bestand daher ein reines, aber freiwilliges Ghetto, wohl das einzige Ghetto in Bayern. So ergab sich auch aus der Tatsache, dass hier nur Juden ansiedelten, das Kuriosum einer politisch autonomen jüdischen Gemeinde, die durch höchste Verfügung der Staatsregierung vom 9. Mai 1824 wieder proklamiert wurde. Es gab einen jüdischen Bürgermeister und jüdische Gemeinderäte, die mit der politischen Gemeinde des Marktes nichts zu tun hatten. Die Juden sahen darin eine Zurücksetzung und kämpften weiter um ihre Gleichberechtigung, jedoch lange ohne Erfolg. Das Ghetto in Floß bestand verwaltungstechnisch bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts.
 
Rabbinat Floß war "Muttergemeinde"
 
Eine kleine Synagoge bestand schon 1721. Nach dem Großbrand im Jahre 1813 wurde die heutige Synagoge errichtet. Sie entsprach dem ständigen Wachstum der jüdischen Gemeinde in Floß. Im Jahre 1817 wurde die neue Synagoge durch einen Rabbiner eingeweiht. Zum Rabbinatsbezirk gehörten die Nachbarorte Neustadt/WN, Weiden i. d. Opf. und zeitweilig auch Waldsassen und Tirschenreuth. Für diese Bezirke war Floß die "Muttergemeinde". Die jüdische Gemeinde wurde aber im Laufe der Zeit immer kleiner. 1910 wohnten noch 43 Juden und 1932 nur noch 23 in Floß. Es zeugt von Mut und religiöser Einstellung, dass man sich im Jahre 1934 entschloss, das 250jährige Jubiläum der jüdischen Gemeinde in Floß zu feiern.
 
Innenansicht der Synagoge
Innenansicht der Synagoge
 
Schreckensnacht am 9. Nov. 1938
 
Der 9. November 1938, der Tag der "Reichsprogromnacht", ging in die Geschichte der Synagoge und der früheren jüdischen Gemeinden ein: Eine schreckliche Nacht, eine schreckliche Zeit! Die Flosser Juden blieben nicht unverschont. In wenigen Stunden wurde die Synagoge in ihrer Innenausstattung völlig vernichtet. Miterleben mussten es die Familien Ansbacher, Wilmersdörfer und Steinhardt, die zu dieser Zeit noch in Floß wohnten. Angst, Schrecken und Not standen die Flosser Juden in der Folgezeit aus. Die Synagoge war für die Juden schon immer eine Zufluchtsstätte für ein Gebet. Die Plünderungen und Zerstörungen in der Synagoge nahmen kein Ende. Die Fenster wurden eingeschlagen, der Thoraschrein aus dem Gebetshaus gerissen und die Bestuhlung zerschlagen. Wertvolle Kunstgegenstände wurden entwendet, so dass die Synagoge eher einer Ruine glich. 
 
Synagoge in Privatbesitz
 
In der Folgezeit (es war 1953) wurde das Gebäude in Privathand übergeben. Der grundbuchmäßige Eigentümer der ehemaligen Synagoge hatte in das Haus eine Schuhmacherei mit Reparaturwerkstätte eingerichtet. Diese Werkstätte wurde nur einige Jahre betrieben. Alle beschädigten Fensterscheiben wurden wieder eingeglast, selbst im Innern des Gebäudes wurden bauliche Veränderungen (Aufschüttung des Bodens) vorgenommen. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege legte am 28. April 1954 dann ein entscheidendes Gutachten vor. Dort heißt es unter anderem: "Die ehemalige Synagoge in Floß ist, wie eine gelegentliche Besichtigung ergab, obwohl nicht im amtlichen Denkmälerwerk aufgenommen, zweifellos ein erhaltenswertes Kunstdenkmal; das gilt übrigens ebenso von dem alten Judenfriedhof." Die Schuhmacherei gab ihre Arbeiten in der Synagoge auf und das Gebäude wurde weiter in Privathand gegeben. Der neue Besitzer stammte aus Bärnau in der Oberpfalz. Dieser plante die Errichtung einer Perlmuttknopffabrik. Seine feste Absicht hatte er durch Vorlage von Bauplänen beim Markt bekundet. Dazu kam es allerdings nicht.
 
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Die Synagoge 1943 - eine "Ruine"
 
Keine Verwendung als Schule
 
Nach 1945 bildeten die sich neu in Floß angesiedelten Juden eine israelitische Kultusgemeinde. In einem Schreiben des Marktes Floß vom 31. Juli 1948 wurden dieser jungen Gemeinde die Verhältnisse der Synagoge geschildert und zugleich die Bitte ausgesprochen, das Gebäude wegen des großen Mangels an Schulräumen, als Schulgebäude zur Verfügung zu stellen. Das Bayerische Staatsministerium des Innern  "Staatskommissariat für rassisch, religiös und politisch Verfolgte" erklärte sich bereit, die ehemalige Synagoge für diesen öffentlichen Zweck zur Verfügung zu stellen. Es bekräftigte jedoch, dass bezüglich der Eigentumsverhältnisse keinesfalls eine Präjustiz geschaffen werden darf. Die Verhandlungen zogen sich immer länger hinaus, wobei persönliche Vorsprachen des früheren Bürgermeisters Josef Lehner beim damaligen Generalanwalt und Landespräsidenten der israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, Dr. Auerbach, geführt wurden. Als die "Headquarters Jewish Restution, Successor Organization" in Nürnberg ihre Zuständigkeit zur Verhandlungsführung erlangte, wurde ein Preis von 3.250 Mark aufgeworfen. Der Kauf der Synagoge durch den Markt stand zur Diskussion. Inzwischen konnten auch die schulischen Verhältnisse in Floß gebessert werden. Der Bau eines Zentralschulhauses rückte immer näher und der Markt hatte kein Interesse mehr am Kauf des Gebäudes.
 
Die Synagoge im Jahr 1934
Die Synagoge im Jahr 1934
 
Kauf durch israelitische Kultusgemeinde
 
Am 27. Juni 1963 wurde vom Markt Floß erneut ein Vorstoß gemacht, eine endgültige Klärung darüber herbeizuführen, was mit diesem nunmehr wieder in Privathand befindlichen Gebäude geschehen soll. Immer mehr verschlechterte sich während dieser Zeit der bauliche Zustand. Der Landesverband in München erklärte sich bereit, die Synagoge anzukaufen. Lange und schwierige Verhandlungen wurden vom Markt Floß mit dem Eigentümer aus Bärnau geführt, um das Gebäude wieder der jüdischen Gemeinde zuzuführen.
 
Damit waren aber nicht alle Probleme gelöst. Der bauliche Zustand des Hauses wurde immer schlechter. Die Fensterscheiben wurden wieder zum Ziel der Zerstörung. Die Türen wurden aufgebrochen und schließlich wurde aus der Synagoge, dem Kunstdenkmal im Markt, ein Ablagerungsplatz von Brennmaterial. Auch Schutt, Unrat, Sperrgut und sonstige überzählige Haushaltsgegenstände wurden in das baufällige Gebäude reingestellt.
 
1971 Entschluss zur ersten Restaurierung
 
Die großen und aufopferungsvollen Bemühungen von Dipl.-Ing. Dr. Stefan Schwarz, der nochmals versucht hatte, mit dem Landesamt für Denkmalpflege die Erhaltung der Flosser Synagoge endgültig festzulegen, hatten Erfolg. Nach einer Besichtigung der Synagoge am 22. April 1971 wurde am 6. Mai 1971 durch Generalkonservator Prof. Dr. Torsten Gebhart vom Landesamt für Denkmalpflege die Entscheidung zur ersten Restaurierung bestätigt.
 
Ursprüngliches Aussehen
 
Dem Bauträger, dem Markt Floß und dem Landesamt für Denkmalpflege, aber auch dem Landesverband in München lag sehr daran, die Synagoge in ihrer Innenausstattung so herzustellen, wie sie vor der Kristallnacht im November 1938 aussah. Der gebürtige Flosser Jude Ludwig Bloch, der im Jahre 2002 in New York verstorben ist, schickte dem damaligen Bürgermeister Fred Lehner im Jahre 1976 ein Foto aus dem Jahre 1934 anlässlich der 250-Jahr-Feier der jüdischen Kultusgemeinde in Floß. Diese Aufnahme ermöglichte es, die Synagoge annähernd ihrem ursprünglichen Aussehen zu gestalten. Architekt Dr. Hammerling aus Weiden hat in mühevoller Kleinarbeit alle Konturen des Bildes abgezeichnet, vergrößert und als Grundlage für die handwerkliche Arbeit ausgearbeitet.
 
Die Flosser Synagoge präsentierte sich am 8. November 1980 erstmals wieder in neuem Glanz. Es wurde ein Werk geschaffen, das in die reiche Geschichte des Marktes eingegangen ist.
 
Ein Rückblick in die reiche jüdische Geschichte des Marktes Floß vom damaligen Bürgermeister Fred Lehner anlässlich der Feierstunde waren der Auslöser und der Beginn für die geschichtlichen Führungen und Exkursionen in der Synagoge und im jüdischen Friedhof. 
 
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Im Jahre 1692 entstand der "jüdische Friedhof" an der Flossenbürger Straße
 
In den folgenden Jahren wurde die jüdische Geschichte über viele tausend Male einzelnen Besuchern und Besuchergruppen in einer persönlichen Führung durch das Gebäude nähergebracht. Bürgermeister a. D. Fred Lehner sowie der damalige Gemeindebedienstete und jetzige Bürgermeister Günter Stich übernahmen diese Rückblicke in die jüdische Geschichte

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Diese Seite ist ein Ausdruck der Internetseite des Markt Floss - Stand: Donnerstag, 23. November 2017 um 08:31 Uhr
Besuchte Seite: Geschichte - Jüdische Geschichte   (http://floss.de/default.asp??SID=MEN1AMEM8)

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